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Hausstaubmilbenallergie – internationale Therapierichtlinien

18. Dezember, 2014

Hausstaubmilbenallergie – Internationale Therapierichtlinien im Hinblick auf Encasings

Die Hausstaubmilbenallergie ist ein internationales Problem mit erheblichen volkswirtschaftlichen Folgen. In diesem Artikel soll aufgezeigt werden, was die nationalen Verbände zur Behandlung empfehlen und wie die Empfehlungen im internationalen Vergleich bewertet werden.

 

Empfehlungen der verschiedenen Fachverbände – 5 Leitlinien in Deutschland involviert

Hausstaubmilbenallergene verbreiten sich als Aeroallergen über die Luft. Erwartungsgemäß treten deshalb die meisten Probleme bei den Patienten im nasalen oder bronchialen Bereich auf. Allerdings konnte auch nachgewiesen werden, dass im Bereich der Haut ca. 30% der allergisch bedingten Neurodermitisfälle mit einer Sensibilisierung gegen Milben einhergeht.
Dies spiegelt sich in den nationalen Versorgungsleitlinien in Deutschland wieder. So beschäftigen sich allein in Deutschland 5 Leitlinien detailliert mit dem Thema der Hausstaubmilbenallergie. Die sind die Leitlinien zur Allergieprävention, allergische Rhinokonjunktivitis, Asthma, Neurodermitis und spezifischer Immuntherapie. In diesem Artikel soll dargestellt werden, was in die Leitlinien in Bezug auf die Karenzmaßnahmen, in deren Mittelpunkt die Sanierung des Bettes mit Encasings stehen aussagen und ob die Leitlinien sich in Ihren Aussagen unterscheiden.

Ein Leitlinienvergleich – Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention

Leitlinien werden in Zusammenarbeit verschiedener medizinischer Fachgesellschaften und Ärzteverbände entwickelt, um für die Ärzteschaft Richtlinien zur Behandlung von Krankheiten zu geben. Bei Themen, die sich mit der allergologischen Versorgung beschäftigen, verwundert es nicht, dass besonders viele Gruppen bei der Entscheidungsfindung involviert sind.
Senior Smiling doctor with his colleaguesWie ein roter Faden wird in allen Leitlinien an erster Stelle die Karenz, d.h. die Vermeidung des Kontaktes mit dem Allergen empfohlen. Auch herrscht ein weitgehender Konsens darüber, wann Karenzmaßnahmen sinnvoll sind. Hierbei wird zwischen Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention unterschieden. Die Primärprävention soll bei Risikopatienten zum Einsatz kommen. Dies sind vor allem genetisch vorbelastete Patienten, bei denen aufgrund der Familienanamnese ein erhöhtes Allergierisiko besteht. Als Maßnahme der Primärprävention werden Encasings nicht empfohlen. Die Sekundärprävention beginnt bei den ersten Anzeichen einer Allergie. Diese sind häufig nur durch einen Bluttest oder einen Hauttest nachweisbar, Symptome hat der Patient zu diesem Zeitpunkt noch nicht oder diese sind nur schwach ausgeprägt. Da bekannt ist, dass diese Patienten ein deutlich erhöhtes Risiko zur Ausbildung schwerer Allergiesymptome haben, wird bei diesen Patienten eine Karenz mit Hilfe von Encasings empfohlen. Die Tertiärprävention stellt Empfehlungen zur Behandlung von manifestierten, zum Teil schweren Allergiesymptomen dar. Auch hier werden Encasings empfohlen, wobei bei diesen Patienten eine Monotherapie in der Regel nicht mehr ausreicht.

Die Karenz geht der spezifischen Immuntherapie voraus

Konsequent ist in dieser Hinsicht die Leitlinie zur spezifischen Immuntherapie. Jeder Hyposensibilisierung, die in der Regel zwischen 3 und 5 Jahren dauert und für den Patienten eine erhebliche Belastung darstellt, soll eine dreimonatige Karenz vorausgehen. Erst wenn diese nicht erfolgreich oder nicht ausreichend ist, soll mit der spezifischem Immuntherapie begonnen werden.

Bei Neurodermitis reicht ein Prick-Test

Allergy - skin prick tests, cute girl in a laboratoryZur Behandlung der Neurodermitis wird ein 4-Stufen Schema empfohlen. An erster Stelle steht die Basistherapie, bei der neben der Hautpflege die Meidung von Triggerfaktoren steht. Triggerfaktoren sind Faktoren, die die Entstehung von Neurodermitis fördern, sie provozieren die Haut.
Bei einer IgE vermittelten Allergie auf Hausstaubmilben zählen die Milben zu den wichtigsten Provokationsfaktoren. Deshalb gehören Karenzmaßnahmen, also Encasings nach den Leitlinien Neurodermitis bereits bei dem Nachweis einer Sensibilisierung zur Basistherapie. Für diesen Nachweis reicht ein positiver Prick-Test aus. Es ist nicht erforderlich, an dieser Stelle einen Epikutantest durchzuführen.

Ein Blick über den Tellerrand – internationale Versorgungsempfehlungen

Die Hausstaubmilbenallergie ist ein Problem, das alle Industrieländer betrifft. Hierbei liegt der Anteil der betroffenen Patienten in Deutschland im internationalen Vergleich im Mittelfeld. So sind in Australien ca. 30% der Bevölkerung unter 25 Jahren gegenüber Hausstaubmilben sensibilisiert, in Deutschland nur unter ca. 13%. Eine Erklärung liegt in den dortigen optimalen Lebensbedingungen für die Milben.
Die nationalen medizinischen Verbände weltweit haben sich längst des wachsenden Problems der Hausstaubmilbenallergie angenommen und Empfehlungen ausgesprochen. So empfiehlt z.B. das National Institut of Health in den Vereinigten Staaten an erster Stelle die Sanierung der Schlafräume und das Encasen der Betten. Diese Maßnahmen werden als dringlicher angesehen, als jede medikamentöse Therapie, die nach den Sanierungsmaßnahmen als symptomatische Therapie die Karenzmaßnahmen begleiten soll. In Australien beschäftigen sich die lokalen Verwaltungen mit dem Thema, die Empfehlungen zur Hausstaubmilbenallergie sind analog.

Weißes-Doppelbett

wirksame Milbenkarenz durch Encasings

Zusammenfassung

Die Hausstaubmilbenallergie ist ein Problem, das alle Industrieländer betrifft. Bei den Empfehlungen findet sich eine große Übereinstimmung, Encasing-Maßnahmen gehören zur Basistherapie bei einer Hausstaubmilbenallergie. Hierbei bringt es Prof Dr. Harnoncourt vom Institut für Vorsorgemedizin in Graz auf den Punkt: „Eine alleinige medikamentöse Behandlung ohne ernsthafte Hausstaubmilbensanierung des Wohnbereiches ist sinnlos“.

Literaturquellen:

Internetabruf am 12.12.2014: https://www.sswahs.nsw.gov.au/rpa/allergy/resources/allergy/dustmiteallergy.pdf; Internetabruf am 12.12.2014: http://www.nlm.nih.gov/medlineplus/tutorials/allergiestodustmites/id039204.pdf; S3 Leitlinie Allergieprävention, Stand 2004; S3 Leitlinie Allergieprävention, Stand 2014; S2 Leitlinie Dermatologie: Neurodermitis, Stand 2008, wird zur Zeit erneuert; Allergische Rhinokunjunktivitis,
Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAI), Allergo J 2003; 12: 182–94; Nationale VersorgungsLeitlinie Asthma, Langfassung, Dezember 2009, zuletzt geändert August 2013; Hausstaubmilbenallergie, Diagnostik, Therapie und sinnvolle Sanierungsmaßnahmen; Institut für Vorsorgemedizin Joanneum; Vorstand: Prim. Univ.-Prof. Dr. K. Harnoncourt, 8010 Graz, Sackstraße 12


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