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Hausstaubmilbenallergie: Was Betroffenen wirklich hilft

4. Dezember, 2014

Symptome einer Hausstaubmilbenallergie – nur 50% der Milbenallergien werden diagnostiziert

Allein in Deutschland leiden Millionen Patienten unter den Symptomen einer Hausstaubmilbenallergie. Hierbei sind alle Altersgruppen betroffen, wobei die Beschwerden im Bereich der Atemwege, das allergische Asthma und die allergische Rhinitis, im Alter zunehmen. Die Symptome und Beschwerden einer Hausstaubmilbenallergie treten im Gegensatz zur Pollenallergie ganzjährig auf und erreichen in den Wintermonaten ihren Höhepunkt. Dadurch wird die Hausstaubmilbenallergie oft mit einem Schnupfen verwechselt, da für viele Betroffene das Ende der Pollenzeit im Oktober auch mit dem Ende der Allergiezeit einhergeht. Eine kürzlich vorgelegte Studie zeigt, dass eine Hausstaubmilben-Allergie im Vergleich zu einer Pollenallergie nur in der Hälfte der Fälle diagnostiziert wird.
Hausstaubmilben-AllergieTypischerweise haben die Patienten nächtliche oder frühmorgendliche Beschwerden, die sich im Verlauf des Vormittags verbessern. Die Patienten berichten über behinderte Nasenatmung, Niesanfälle, Fließschnupfen, gerötete Augenbindehäute mit Juckreiz und verklebte Augenlider. Die Symptome im nasalen Bereich ähneln einem Heuschnupfen. Die Beschwerden können sich auch im Bronchial- und Lungenbereich manifestieren und führen dort zu Reizhusten bis zu pfeifenden oder rasselnden Atemgeräuschen. Besonders bei jungen Patienten treten allergische Symptome der Haut auf, die sich in einem juckenden Hautauschlag äußern. Für die Neurodermitis sind Hausstaubmilben die häufigste Allergenquelle. Da die Allergenquelle bei einer Hausstaubmilbenallergie bekannt ist, stellt sich die Frage ob wir mit einfachen Maßnahmen für eine Karenz sorgen können. Hierzu müssen wir uns zuerst mit der Biologie von Hausstaubmilben beschäftigen.

Steckbrief der Hausstaubmilben

Bisher wurden über 140 verschiedene Milbenarten im Hausstaub nachgewiesen. Über 90% machen die beiden Arten Dermatophagoides pteronyssinus und Dermatophagoides farinae aus, die auch als europäische und amerikanische Milbe bezeichnet werden. Beide Arten kommen regelmäßig zusammen vor, wobei je nach den äußeren Bedingungen eine Art dominieren kann. Die europäische Milbe bevorzugt mit 15-20°C und 75-80% rel. Luftfeuchtigkeit eine etwas kühlere Umgebung als die amerikanische Milbe die es mit 25-30°C und 70-75% rel. Luftfeuchtigkeit gerne etwas wärmer hat.
Hausstaubmilben werden zu den Spinnentieren gerechnet. Sie erreichen eine Größe von 0,1-0,5mm, also gerade unterhalb unseres sichtbaren Kosmos. Der wissenschaftliche Name Dermatophagoides heißt so viel wie „Hautfresser“. Der Name deutet auf die Hauptnahrungsquelle der Milbe hin, die vor allem aus abgestorbenen Hautzellen besteht. Neben Hautschuppen von Mensch und Tier, stehen Schimmelsporen, abgestorbene Insektenreste und Lebensmittelreste auf dem Speiseplan. Hausstaubmilben bevorzugen hierbei angeschimmelte Hautschuppen. Eine Milbenpopulation ohne Schimmelpilzbefall kann langfristig nicht überleben, vermutlich stellt der Pilz überlebenswichtige Nährstoffe zur Verfügung. Hierbei sind Milben äußerst genügsam. Die von einem Menschen durchschnittliche Menge an abgestoßenen Hautschuppen reicht als Nahrung für ca. 100.000 Milben.
3d rendered illustration - dust miteZum Gedeihen benötigt die Milbe relativ hohe Temperaturen von 20-28°C. Da Milben nicht trinken können, sind Sie auf eine relativ hohe Luftfeuchtigkeit zwischen 75 und 80% angewiesen. Unter diesen Bedingungen entwickelt sich die erwachsene Milbe innerhalb von 20 Tagen über die Stadien Ei, Larve und Nymphe zur erwachsenen Milbe. Milbenmännchen leben etwa 60–100 Tage, Weibchen bis zu 150 Tage. In dieser Zeit legen die Weibchen zwischen 40 und 80 Eier. Die Eier werden nicht als Gelege, sondern über einen langen Zeitraum verteilt einzeln gelegt. Zur Eiablage sucht das Weibchen tiefer gelegen Schichten ihres Lebensraumes auf. Die Milbe bevorzugt allgemein die Dunkelheit, flüchtet vor dem Licht. Unter ungünstigen Bedingungen kann die Milbe die Entwicklungszeit auf 120 Tage ausdehnen, wobei die Milbe im Ei- und Larvenstadium erheblich unempfindlicher gegen widrige Bedingungen ist. In diesem Stadium können selbst lange Trockenperioden und Kälteperioden überwunden werden. Milben überleben selbst bei extremen Temperaturen von -25°C oder +60°C länger als eine Stunde. Für die Milbe sind einige Stunden täglich mit genügend Feuchtigkeit ausreichend.

Hausstaubmilben sind auch in einem weiten Bereich außerhalb ihrer optimalen Umgebungsbedingungen überlebensfähig, allerdings ist dann ihre Reproduktionsfähigkeit eingeschränkt. Dies führt dazu, dass die Milbenpopulation gegen Ende des Sommer bis in den Früherbst ansteigt, danach stirbt durch sinkende Außentemperaturen und lang anhaltende sinkende Luftfeuchtigkeit in der Heizperiode ein großer Teil der Milbenpopulation ab, bis im Frühjahr wieder bessere Bedingungen für die Milbe herrschen und die Population wieder ansteigt. Natürliche Feinde hat eine Milbe kaum. Die milbenfressende Raubmilbe Cheyletus und andere Tiere, die sich von Milben ernähren, sind für eine Populationskontrolle viel zu selten.

Lebensraum der Hausstaubmilben

Hausstaubmilbenallergie - Höchste Milbenkonzentration im Bett

Höchste Konzentration an Hausstaubmilben im Bett

Ursprünglich lebten Hausstaubmilben vorwiegend in Vogelnestern. Dies erklärt, warum die Milbe eine sehr gute Anpassungsfähigkeit gegen widrige Bedingungen entwickeln musste. Ideale Lebensbedingungen finden Hausstaubmilben in menschlichen Wohnungen, bevorzugt dort, wo wir die meisten Hautschuppen verlieren. Über 90% der Milben in unseren Haushalten finden sich deshalb in unseren Betten. Die höchsten Konzentrationen in den Betten findet man in der Matratze und Kopfkissen, weil hier das Nahrungsangebot optimal ist. Weitere Fundorte sind Polstermöbel, wohingegen in Teppichen normalerweise nur wenige Hausstaubmilben zu finden sind. In Wohnungen mit Haustieren finden sich natürlich auch an den Schlafstätten der Tiere hohe Milbenkonzentrationen.

Kritische Würdigung der wichtigsten Ansätze zur Bekämpfung von Hausstaubmilben und deren Allergie-Auslöser

Die Bekämpfung der Hausstaubmilben gestaltet sich wegen der großen Anpassungsfähigkeit als sehr schwierig. Bei den wichtigsten Ansätzen wird versucht, die Lebensbedingungen der Milben zu verschlechtern. Hierbei spielt die Beeinflussung der Luftfeuchtigkeit und Temperatur eine große Rolle. Ziel ist eine Temperatur unter 20°C und einer Luftfeuchtigkeit unter 50%. Diese Bedingungen lassen sich aber in der Praxis nur sehr schwer herstellen und haben nur bei durchgehender langfristiger Einhaltung der Maßnahmen Erfolg. Die Bekämpfung der Hausstaubmilben mit Giften gehört auch zu den wirksamen Ansätzen. Die abhängige Beziehung zu Schimmelpilzen spielt bei den Empfehlungen ebenfalls eine Rolle, denn die Milbe kann ohne Schimmel nicht überleben. Bei allen Maßnahmen muss immer berücksichtigt werden, dass ein Hausstaubmilbenallergie-Patient nicht auf die Milbe, sondern auf deren Kot reagiert. Hierbei ist bekannt, dass die Allergene im Kot bei Temperaturen über 70°C denaturisiert werden können.

  • Encasings: milbenallergenundurchlässige Zwischenbettbezüge, sogenannte Encasings, die als Schutz über Matratze, Bettdecke und Kissen gezogen werden, haben sich als das effektivste Mittel zur Reduktion der Allergenmenge in unseren Haushalten erwiesen. Auch wurde in vielen Studien die Verbesserung der Symptomatik bei Hausstaubmilben-Allergie-Patienten mit allergischem Asthma, allergischer Rhinitis und Neurodermitis nachgewiesen.
  • Wahl des Bettmaterials: Einige Anbieter empfehlen bei Hausstaubmilben-Allergie bestimmte Bettmaterialien. Generell hat die Wahl des Materials nur einen geringen Einfluss. Schaumstoffmatratzen speichern allerdings Feuchtigkeit stärker, was der Milbenpopulation entgegenkommt.
    Wasserbetten sind milbenfrei. Encasingsmaßnahmen sollten hier aber unbedingt für die Polster getroffen werden, da diese natürlich von Milben befallen werden.
  • Lüften: Regelmäßiges Lüften und Aufschlagen der Betten gehört zu den ersten Empfehlungen die in den meisten Ratgebern zu finden ist. Leider ist regelmäßiges Lüften nur sinnvoll, wenn die Temperatur dadurch unter 20°C und die Luftfeuchtigkeit unter 50% gesenkt werden kann. Diese einfache Maßnahme ist in den kühleren Monaten erfolgversprechend und sollte hier zu den Standardmaßnahmen gehören. In Deutschland haben wir leider in der Regel feuchte Sommer, so dass wir zur Hauptzeit der Milbe keine Effekte erwarten können.
  • Benzylbenzoathaltige Präparate: Durch die Anwendung dieser Produkte in Kombination mit den verbundenen Reinigungsmaßnahmen konnte eine Reduktion der Allergenbelastung im Haushalt klar nachgewiesen werden. Für Matratzen konnte allerdings keine Wirkung nachgewiesen werden. Dies scheint daran zu liegen, das die Präparate nicht tief genug in das Gewebe eindringen können.
  • Kuscheltiere: Stofftiere kommen regelmäßig mit Kindern in engen Kontakt. Dadurch stellen diese ein relevantes Allergenpotential dar. Darum sollte die Kuscheltiere regelmäßig gewaschen werden. Auch Wäschetrockner oder Gefriertrockner können zur Reduzierung der Allergenbelastung genutzt werden, wobei Temperaturen über 60°C oder unter -30°C eingestellt werden sollten. Um eine akute Belastung des Allergikers zu vermeiden sollten Ablufttrockner genutzt werden.
  • Teppiche: Teppiche können mit benzylbenzoathaltigen Präparaten saniert werden. Allerdings sind diese Maßnahmen nur bei kurzflorigen Teppichen effektiv und sollten wegen der schnellen Neubesiedlung 2-4 mal pro Jahr wiederholt werden.
  • Haustiere: Viele Menschen sind gegen Hunde und Katzen allergisch. Aber auch Hausstaubmilben-Allergie-Patienten sollten aus allergologischer Sicht das Halten von Haustieren besser vermeiden, da die Schlafstätten der Tiere eine zusätzliche Allergenquelle darstellen und die Tiere für zusätzliche Feuchtigkeit sorgen.
  • Blumen: Topfpflanzen erhöhen die Luftfeuchtigkeit und stellen ein zusätzliches Reservoir für Schimmelpilze dar. Im Schlafzimmer sollten Topfpflanzen deshalb fehlen.
  • Waschen: Bettwäsche und Bettzeug sollten bei einer Hausstaubmilben-Allergie regelmäßig gewaschen werden. Hierbei ist eine Temperatur über 60°C notwendig um die Milben abzutöten. Bei Materialien, die nur bei niedrigeren Temperaturen gewaschen werden können, sollten benzylbenzoathaltige Präparate genutzt werden.
  • Milbenkot: Selbst nach einer erfolgreichen Reduktion der Milbenpopulation bleibt der Milbenkot als Allergenquelle erhalten. Dieser wird durch Encasings wirksam eingeschlossen. Um die Allergene im Milbenkot zu denaturisieren sind leider Temperaturen über 70°C notwendig. Alternativ können Tanninhaltige Präparate eingesetzt werden, die die Denaturierung der Allergene wirksam fördern.

 

Quelle: Allergenvermeidung bei Milbenallergie – Allergie erkennen, behandeln und ungeliebte Bettgenossinnen loswerden; Herausgegeben von der IGAV (Interessensgemeinschaft Allergenvermeidung) in Kooperation mit der Österreichischen Gesellschaft für Allergologie und
Immunologie (ÖGAI) sowie der Österreichischen Lungenunion (ÖLU): Hausstaubmilbenallergie
Diagnostik, Therapie und sinnvolle Sanierungsmaßnahmen; Institut für Vorsorgemedizin Joanneum; Vorstand: Prim. Univ.-Prof. Dr. K. Haenoncourt, 8010 Graz, Sackstraße 12: Hausstaubmilben, Wikipediaabruf am 20.8.2014: Möglichkeit und Nutzen der Innenraumallergenanalyse; Allergo J. Vol. 6 3/97; S. 139/145; A. Weber, S. Lau, U. Wahn: Innenraumallergene; Dtsch Med Wochenschr 2008, 133, S. 58-62; R. Brehler: Sinnvolle Wohnraumsanierungsempfehlungen bei Hausstaubmilben-, Tier- und Schimmelpilzallergie (Teil 1); Allergo J. Vol. 7 3/98; S. 156-163; S. Schmidt:(Zitatquelle der ALK Studie)


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