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Hausstaubmilben-Allergie nicht nur medikamentös behandeln

30. Oktober, 2014

Immer mehr Kinder sind von einer Hausstaubmilben-Allergie betroffen

Schon seit dem Mittelalter sind Atembeschwerden durch Hausstaub bekannt. 1787 wurde erstmals die „Engbrüstigkeit“, verursacht durch Hausstaub beschrieben, wobei man als Ursache dieser damals schon häufigen Krankheit ein Geruchsgift vermutete.
Inzwischen sind Millionen Allergiker allein in Deutschland von einer Allergie gegen Hausstaubmilben betroffen, weltweit geht man von 80-100 Millionen Hausstaubmilben-Allergikern aus – und es betrifft immer mehr Kinder. Epidemiologische Studien zeigen einen starken Zusammenhang zwischen der Zunahme an milbenbedingten Allergien und der Exposition gegenüber den Allergenen. Nicht zuletzt die Änderung des Lebensstils fördert die Zunahme von allergischen Erkrankungen. So verbringen die meisten Menschen über 90% ihrer Zeit in geschlossenen Räumen. Im feucht-warmen Klima Neuseelands, mit dadurch signifikant höheren Allergenkonzentrationen, sind bis zu 30% der Kinder betroffen. In gemäßigten Klimazonen, z.B. in Deutschland, sind immer noch ca. 13% der Kinder erkrankt. Bei der großen Anzahl an allergischen Patienten stellt sich natürlich die Frage, ob und wie wir den kleinen Tierchen zu Leibe rücken können.

Kot von Haustaubmilben und Panzer abgestorbener Tiere als Allergieauslöser

Neben den Eiweißstoffen aus dem Panzer abgestorbener und zerfallener Hausstaubmilben haben vor allem die Milben-Ausscheidungen eine hohe allergische Potenz. Ein Weibchen kann pro Tag bis zur Hälfte ihres Körpergewichts zu sich nehmen. Eine Milbe produziert im Laufe Ihres kurzen Lebens das 200-fache Ihres Gewichtes an Exkrementen. Hierbei scheidet eine Milbe täglich bis zu 20 Kotbällchen aus. Die Kotbällchen werden zu Anfang noch durch eine Schleimschicht zusammengehalten. In trockener Luft zerfallen diese jedoch in kleinste Teilchen. Der Zerfall erfolgt besonders stark bei trockener Luft, weshalb ein Milbenallergiker die stärksten Beschwerden im Winter bei trockener Heizungsluft hat. Obwohl die Allergenteilchen extrem leicht sind, haften sich die Allergene gut an größere Staubteile und sinken innerhalb von 20 Minuten zum größten Teil zu Boden. Kinder bekommen deshalb Probleme, wenn Sie auf Fussböden und Teppichen spielen. Ein Hausstaubmilben-Allergiker bekommt vor allem dann Beschwerden, wenn er im Bett mit den Allergenen in Kontakt kommt oder diese zum Beispiel beim Bettenmachen aufwirbelt. Ein 2 Jahre altes Kissen besteht beispielsweise zu ca. 15 % aus Milbenkot, abgestorbenen Tieren, Bakterien und Hautschuppen. Das sind bei einem normalen Kissen immerhin 150 Gramm krankmachendes Potential.

Warum eine alleinige medikamentöse Behandlung ohne ernsthafte Hausstaubmilben-Sanierung des Wohnbereiches sinnlos ist

Eine medikamentöse Behandlung ohne eine Hausstaubmilbensanierung ist in vielen Fällen sinnlos und führt nicht zum gewünschten Ergebnis. Diese Lehrmeinung wird von führenden Allergologen vertreten, so schreibt Prof. Dr. Harnoncourt vom Institut für Vorsorgemedizin Joanneum in Graz, dass Wohnraumsanierungsmaßnahmen zur Reduzierung der Milbenbelastung langfristig und umfassend betrieben werden müssen, damit die Belastung deutlich spürbar eingedämmt wird. Ohne Sanierungsmaßnahmen lebt man ja weiterhin permanent im Allergenbereich, so dass ja auch der Entzündungsprozess in der Schleimhaut der Bronchien, der Nase oder der Augenbindehäute permanent aufrechterhalten wird. Gerade bei Kindern sind solche begeitenden Maßnahmen in jedem Falle dringend anzuraten. Auch die Hyposensibilisierung kommt nicht ohne Sanierungsmaßnahmen aus, liegt die Erfolgsquote ohnehin schon deutlich unter jener der Pollen- und Bienengiftallergie. Der Dauergebrauch beispielsweise von Nasensprays zur verbesserten nächtlichen Nasenatmung ist ebenfalls nicht geeignet, da die Nasenschleimhaut mit der Zeit geschädigt und in ihrer Funktion stark eingeschränkt wird.

Vermeidung des Hausstaubmilben-Allergens als erste und wichtigste Therapiemaßnahme

A young woman sleeping under a blanketDa die allergischen Beschwerden nur bei Kontakt mit dem Allergen ausgelöst werden, ist es am besten, Hausstaubmilben-Allergene durch einfache Maßnahmen im Schlaf- und Wohnbereich weitestgehend zu reduzieren. Im von Milben stark besiedelten Schlafbereich bieten sich milbenallergenundurchlässige Bettumhüllungen an – sogenannte Encasings, die die Milben und Milbenallergene sicher einschließen und durch ihre praktische Barrierefunktion den unmittelbaren Kontakt mit den Allergenen verhindern. Dadurch verringern sich nicht nur die allergischen Beschwerden des Betroffenen, er benötigt weniger Medikamente oder gar keine mehr, schläft wieder wesentlich besser und beugt einer chronischen Erkrankung, wie Asthma bronchiale, vor. Die Hausstaubmilben-Sanierung des Wohnraums ist durch einige einfach durchzuführende Maßnahmen zu erreichen.

Hinweis zur Verordnung von Encasings

Stethoskop auf FormularenEncasings werden bei ärztlicher Verordnung von den meisten gesetzlichen Krankenkassen bezuschusst – in der Regel auch für das Partnerbett, in einigen Fällen beteiligen sich Kassen sogar an einer Geschwisterversorgung für Kinder, die im gleichen Zimmer schlafen. Bei kleinen Kindern, die nachts noch im Elternbett schlafen, ist die Ausstattung der Elternbetten ebenfalls zu empfehlen.

 

Quellen:

Allergenvermeidung bei Milbenallergie – Allergie erkennen, behandeln und ungeliebte Bettgenossinnen loswerden; Herausgegeben von der IGAV (Interessensgemeinschaft Allergenvermeidung) in Kooperation mit der Österreichischen Gesellschaft für Allergologie und
Immunologie (ÖGAI) sowie der Österreichischen Lungenunion (ÖLU): Hausstaubmilbenallergie
Diagnostik, Therapie und sinnvolle Sanierungsmaßnahmen; Institut für Vorsorgemedizin Joanneum; Vorstand: Prim. Univ.-Prof. Dr. K. Haenoncourt, 8010 Graz, Sackstraße 12: Hausstaubmilben, Wikipediaabruf am 20.8.2014: Möglichkeit und Nutzen der Innenraumallergenanalyse; Allergo J. Vol. 6 3/97; S. 139/145; A. Weber, S. Lau, U. Wahn: Innenraumallergene; Dtsch Med Wochenschr 2008, 133, S. 58-62; R. Brehler: Sinnvolle Wohnraumsanierungsempfehlungen bei Hausstaubmilben-, Tier- und Schimmelpilzallergie (Teil 1); Allergo J. Vol. 7 3/98; S. 156-163; S. Schmidt:

 


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