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Diagnostik und Differentialdiagnosen bei Neurodermitis

20. November, 2014

Das atopische Ekzem (Neurodermitis) ist eine chronisch-rezidivierende, nicht infektiöse Hauterkrankung, die zumeist mit starkem Juckreiz einhergeht. Mit einer Prävalenz von circa 10% ist es das am häufigsten in der dermatologischen Praxis anzutreffende Krankheitsbild. Die Diagnostik sollte sich dennoch nicht auf das Erscheinungsbild allein beschränken. Die Identifikation potentieller schubauslösender Agenzien, wie beispielsweise Nahrungsmittel, Hausstaubmilben oder Tierhaare sollte in jedem Falle Teil der Diagnosestellung sein.

Allgemeine Diagnostik bei Neurodermitis

Doctor is writing at the tableDie allgemeine Diagnostik eines atopischen Ekzems erfordert eine komplette Eigen- und Familienanamnese sowie eine umfängliche Untersuchung und Dokumentation des gesamten Hautorgans. Potentielle Einflussfaktoren, wie Psychosomatik, Ernährung und Umweltbedingungen müssen zusätzlich ermittelt werden. In Einzelfällen kann die Untersuchung eines Probebioptats einer betroffenen Hautstelle sinnvoll sein, jedoch gestaltet sich die histologische Abgrenzung einer Neurodermitis von anderen Ekzemen, wie beispielsweise dem allergischen oder irritativen Kontaktekzem in der Regel schwierig.

Differentialdiagnosen bei Neurodermitis

Die bedeutendsten Differenzialdiagnosen betreffen andere Ekzemerkrankungen. Hierzu zählen insbesondere das allergische oder irritative Kontaktekzem, das mikrobielle Ekzem oder auch das Ekzemstadium eines kutanen T-Zell-Lymphoms. Insbesondere bei Hand- und Fußekzemen sollte eine Tinea manuum et pedum (Hand- und Fußpilz) sowie eine Psoriasis palmoplantaris (Schuppenflechte) differentialdiagnostisch abgeklärt werden. Seltener anzutreffen sind mit ekzematösen Hautveränderungen einhergehende Immundefekte, wie unter anderem die Phenylketonurie (PKU), das Dubowitz-Syndrom, das Wiskott-Aldrich-Syndrom oder das Hyper-IgE-Syndrom. Auch infektiöse Dermatosen, wie die Scabies (Krätze) kommen differentialdiagnostisch in Betracht.

Warum auch Allergiediagnostik bei Neurodermitis sinnvoll ist

Arzt schreibt in Formular Allergietest PricktestAllergene können als schubauslösende Faktoren bei der Neurodermitis eine zentrale Rolle spielen. Der Prick-Test bietet hier die Möglichkeit, lokale Hautreaktionen gegen potentielle Allergene zu provozieren. Die reine Sensibilisierung stellt jedoch keine ausreichende Grundlage für Karenz- oder Therapiemaßnahmen dar. Eine Alternative zum gemeinhin bekannten Prick-Test bildet der sogenannte Atopy-Patch-Test. Bei diesem Test wird das potentielle Allergen mit einem Pflaster auf die Haut des Patienten aufgetragen. Dieses verbleibt für 48h an der Hautstelle, womit sich die Entstehung einer tatsächlichen Ekzemreaktion häufig besser beurteilen lässt. In der Regel wird zur Untersuchung des Einflusses potentieller inhalativer Allergene, beispielsweise aus Tierhaaren, Hausstaubmilben oder Pollen ebenso wie bei Verdacht auf Nahrungsmittelallergien ein oraler oder nasaler Provokationstest durchgeführt. Führt dieser zu einer Verschlechterung der Symptomatik, die Meidung des Allergens, zum Beispiel durch die Verwendung von Encasings hingegen zu einer Verbesserung, gilt das schubauslösende Allergen als identifiziert.


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Ein Eintrag im Diagnostik und Differentialdiagnosen bei Neurodermitis

  1. Dr. Christian Ruf Dr. Christian Ruf sagt:

    Der Prick Test bietet bei Hausstaubmilbensehr wohl eine Grundlage für Karenzmassnahmen. Es ist bekannt, dass bei sensibilisierten Patienten die Milbenallergene einer der wichtigsten Provokationsfaktoren ist. Zu eine Basistherapie gehört genau die Vermeidung von diesen Provokationsfaktoren. (Quelle: Neurodermitis Leitlinien)

    Dr. C. Ruf

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