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Milbenschnupfen – die unbekannte Volkskrankheit

3. November, 2016

Millionen Menschen leiden an Allergien. Allein in Deutschland geht man von bis zu 24 Millionen Allergikern aus. Die Patienten erleben oft eine sogenannte Allergiker-Karriere, die im Kindesalter mit Neurodermitis anfängt, in eine allergische Rhinitis übergeht und letztlich in das allergische Asthma mündet. Leider wird die Erkrankung von vielen Betroffenen völlig unterschätzt und bagatellisiert. Wie Professor Dr. Klimek, Vizepräsident des Ärzteverbands Deutscher Allergologen betont, sind Allergien nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. „Bei 90 Prozent der Betroffenen wird die Allergie bei nicht richtiger Behandlung schlimmer“.

Worunter leiden betroffene Patienten bei einem Milbenschnupfen?

Staubmilbe im BettDie Patienten leiden unter triefenden oder verstopften Nasen, tränenden Augen, Niesattacken, Husten und allgemeinen Unwohlsein. Oft klagen Patienten auch unter einer Obstruktion, sie bekommen durch die Verengung der Atemwege schlechter Luft. Bei vielen Patienten führt die Milbenallergie deshalb zum Schnarchen. Typischerweise treten die Symptome nachts auf. Die Beschwerden ähneln stark einem Heuschnupfen. Im Unterschied zum Heuschnupfen, bei dem die saisonal aufkommenden Pollen den Patienten das Leben schwer machen, lösen beim Milbenschnupfen die Hinterlassenschaften der Hausstaubmilben die Symptome aus. Die milbenallergiebedingten Symptome treten ganzjährig auf, wobei die Beschwerdeintensität oft in der kalten Jahreszeit zunimmt.

Bedeutung des Milbenschnupfens

In Deutschland leidet jeder sechste an Heuschnupfen. Ähnlich hohe Zahlen sind für den Milbenschnupfen zu erwarten. Genaue Untersuchungen zum Thema Milbenschnupfen fehlen, was auf eine unzureichende Klassifizierung zurückzuführen ist. So unterscheidet der ICD 10 Code (International Classification of Diseases) nicht zwischen einem Milbenschnupfen und einer Allergie gegen Schimmel. Es ist aber bekannt, das in Deutschland genauso viele Patienten gegen Milben sensibilisiert sind, wie gegen Pollen. Wir müssen deshalb von ca. 10-12 Millionen betroffenen Patienten ausgehen.

Warum kann der Name „Milbenschnupfen“ den Patienten helfen?

Die saisonale pollenbedingte allergische Rhinitis wird landläufig als „Heuschnupfen“ bezeichnet. Ein analoger Begriff für die ganzjährige milbenbedingte allergische Rhinitis fehlt. Oft versteckt sich unter der Diagnose einer „nicht jahreszeitlich bedingten allergischen Rhinitis“ ein Milbenschnupfen. Auch international wird die Allergie auf Milben mit demselben Code klassifiziert, wie eine Allergie gegen Schimmel, Federn, Pflanzendaunen und anderen Inhalationsallergenen. Ein Name für eine Krankheit kann die Situation der Betroffenen deutlich verbessern.

Aus Milbenschnupfen kann Milbenasthma werden

Woman with asthmaLeider gilt die Milbenallergie als unterdiagnostiziert. Darauf hat erst 2013 eine Studie hingewiesen, nach der 50% der Milbenallergiker nicht diagnostiziert sind. Eine Verbesserung der Behandlung von Allergikern, vor allem im frühen Erkrankungsstadium, ist dringend notwendig, damit aus einem Milbenschnupfen kein Milbenasthma wird. Darauf weisen Studiendaten und Ärzteverbände hin. Prof. K. C. Bergmann von der Charité Berlin wird noch konkreter: „Jeder Zweite mit einem Milbenschnupfen entwickelt auch ein Milben-Asthma. Bei Pollenallergikern ist es nur einer von dreien.“

Eine Krankheit mit dieser Bedeutung hat einen eigenen Namen verdient – Milbenschnupfen.

 

Quellen: http://www.welt.de/gesundheit/article119725820/In-Deutschland-sind-Allergiker-unterversorgt.html; Allergische Erkrankungen der Atemwege – Ergebnisse einer umfassenden Patientenkohorte in der deutschen gesetzlichen Krankenversicherung Janine Biermann, Hans F. merk, Wolfgang Wehrmann, Ludger Klimek, Jürgen Wasem, Allergo J 2013, 22(6) 366-73; allergo j. vol. 7 3/98; s. 156-163; S. Schmidt


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