allergo natur
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Allergien

Als Allergie wird eine überschießende Reaktion des Organismus auf normalerweise vom Körper tolerierte Fremdkörper oder Substanzen bezeichnet. Es kann sich dabei um Blüten- und Gräserpollen, Tierhaare, Kot von Hausstaubmilben, Inhaltsstoffe von Nahrungsmitteln, Gewürze, Chemikalien oder Duft- und Kosmetikstoffe handeln. Woher die grundsätzliche Bereitschaft rührt, eine Allergie zu entwickeln, ist nicht vollständig erforscht.

Mögliche Ursachen von Allergien

  • Erbliche Einflüsse (Varianten sind mittlerweile in mehr als 50 verschiedenen Genen nachgewiesen (u. a. ADAM33, GPRA oder IL1RN, die alle eine Rolle bei der allergischen Entzündung spielen)
  • Unterforderung des Immunsystems in der frühen Kindheit mit viralen oder bakteriellen Erregern, z.B. durch übertriebene Hygiene (Flächendesinfektion)
  • Die bei vielen allergischen Reaktionen hauptsächlich auftretenden Immunglobuline vom Typ E (IgE) dienten ursprünglich der Abwehr von nun in den Industrienationen seltener gewordenen Infektionen mit Parasiten wie Bandwürmern.
  • Ungünstige Ernährung, in Diskussion sind bestimmte Fettsäuren, der hohe Histamingehalt in bestimmten Lebensmitteln, sowie Vitamin D, das immunsuppressiv wirkt
  • Durch Feinstaub und Hausstaub, der die Aggressivität der Pollen und die Aufnahmebereitschaft des Körpers für die Allergene erhöht
  • Psychosomatik, allerdings mehr als sekundäres Phänomen im Sinn einer Konditionierung auf allergieauslösende Reize
  • Zunahme des Pollenflugs, z.B. durch die Erderwärmung oder als Stressreaktion von Bäumen auf Schadstoffbelastung
  • Zunahme der Milbenexposition durch bessere Isolierung der Häuser
  • Frühe Änderungen in der Darmflora, die durch Antibiotika und Probiotika beeinflusst werden kann
  • Veränderung der Hautflora z.B. durch die Einführung von Windeln
  • Kälteresistente Bakterien in Nahrungsmittel z.B. durch die Einführung von Kühlschränken
  • Medikamente, z.B. Paracetamol
  • Zigarettenrauch – rauchende Eltern können die Wahrscheinlichkeit einer Allergie verachtfachen

Vermutlich keine Reizung des Immunsystems durch Impfungen

Da die Durchimpfung in den Neuen Bundesländern bis 1989 deutlich höher waren (nahe 100%), Allergien jedoch trotz höherer Umweltbelastung (z.B. durch Braunkohleverfeuerung) nahezu unbekannt waren, wird diese Erklärung als nicht sehr stichhaltig angesehen. Inzwischen widerlegen auch mehrere epidemiologische Studien einen Zusammenhang.

Wie kommt es zu einer allergischen Reaktion

Wenn ein Allergen die erste Schranke (Haut oder Schleimhäute) überwunden hat und von dem Immunsystem als Fremdkörper erkannt wird, werden B-Lymphozyten zur Produktion des für das Allergen passenden Antikörpers (Immunglobulin vom Typ E) angeregt. Dies dauert ein bis zwei Tage. Diesen Vorgang nennt man die Sensibilisierungsphase, denn der Organismus ist bei einem weiteren Kontakt mit diesen Allergenen sofort in der Lage die entsprechenden Antikörper zu bilden. Die Antikörperproduktion beim ersten Kontakt mit einem Allergen löst noch keine Symptome aus. Die gebildeten Antikörper setzen sich an der Oberfläche von Mastzellen fest und sind dadurch in der Lage bei erneutem Kontakt die Allergene an die Mastzelle zu binden. Als Folge der Bindung wird die Membran der Mastzellen durchlässig und die in ihnen gelagerten Bläschen schütten das Histamin aus, welches eine Entzündungs-Kaskade initiiert, die zu den bekannten Symptomen führt.

allergo natur - allergo TH2 -Allergische-Reaktion-Molekular

Zunahme von Allergien

Die Ursachen für die Zunahme von Allergien in der Bevölkerung sind bis heute nicht vollends aufgeklärt. Eine Theorie ist die „Hygiene- oder Dschungelhypothese”. Sie besagt, dass es in Ländern mit einem hohen Hygienestandard viele Allergiepatienten gibt, weil diese in der frühen Kindheit, als das Immunsystem geprägt wurde, zu wenig Kontakt mit Krankheitserregern hatten. Eine Allergie wäre nach dieser Theorie eine Art Ersatzhandlung des Immunsystems, bei welchem Mangels echten Erregern auch harmlose Stoffe Ziel einer Immunantwort werden. Allerdings ist dies ein mechanistisches Verständnis der komplexen Immunregulation. Eine weitere Theorie ist die „Survival-Hypothese”. Danach überleben heute durch verbesserte Lebensumstände viele Kinder, die Anfang des letzten Jahrhunderts Opfer der hohen Säuglingssterblichkeit durch Atemwegsinfekte geworden wären. Dadurch könnten bestimmte Genvarianten in der Bevölkerung zugenommen haben, welche nun für einige der „Zivilisations“- Krankheiten verantwortlich sind.